Oberbayrisches Volksblatt  13.02.2003


 
Baumschmuck an Brustwarzen                                                                                                                von Christian Knapp
        
Dass Arbeitsplätze und Geld knapp sind, ist keine Neuigkeit. Da kommt es schon mal vor, dass man sich statt einer deutschen Tanne als Weihnachtsbaum eben kurz mal einen Italiener holt und ins Wohnzimmer stellt.

Freilich, der Italiener, der die Tanne mimt, gibt vor, Profi zu sein. Eichen, Trauerweiden und andere Bäume kann
er ja auch ohne Weiteres darstellen - aber zu einer echten nordischen Tanne fehlt es noch ein Stück. Da muss noch einiges geübt werden: Haltung, «Oh Tannenbaum»-Singen und auch der Baumschmuck muss passen. So steht sie da, die italienische Menschentanne alias Igi Meggiorin und läßt alles über sich ergehen - selbst den Christbaumschmuck, der an seine Brustwarzen geklemmt wird. Als aber sein Arbeitgeber, Valter Rado, im Sado-Maso-Kostüm auftaucht und einen Vorgeschmack auf Heilig Abend haben möchte, wird es selbst der italienischen Profitanne zu bunt und sie nimmt Reißaus.

«Weihnachtsfieber - Febbre die Natale», viel Platz zum Luftholen zwischen dem Lachen blieb dem Waldkrai-
burger Publikum im Haus der Kultur bei der komischen Krankheit, die die beiden Italiener Valter Rado und Igi Meggiorin mitgebracht haben, nicht. Zu schnell jagte eine Pointe die andere und zu rasant wechselten die haar-
sträubenden Geschichten, die Meggiorin und Rado ihrem Publikum im stark italienisch verbrämten Deutsch erzählten. Mit einer Mischung aus Slapstick, Comedy, Kabarett und oftmals brillanten Einfällen rund um das Thema Winter und Weihnachten blieb außer Lachen kaum etwas anderes übrig.

In vielfältiger Weise thematisierten die beiden Italiener alles, was auch nur im Entferntesten mit Weihnachten zu tun hat, ohne das Fest schlecht zu machen oder zu bagatellisieren. Wie zum Beispiel fühlen sich Fichten und Tannen, die inmitten eines Skigebietes stehen und Angst haben müssen, als Weihnachtsbaum zu enden? In der «Geschichte von Tanny und Fichty» bekam man es erzählt. Wie äußert sich eine Weihnachtsallergie oder Geschenkeallergie? Rado verdeutlichte es aus eigener Erfahrung. Und was wünscht sich ein Familienhund wie Pippo zum Fest? Er schreibt dem Weihnachtsmann und träumt davon, ein Bluesstar zu werden und schwingt sich sofort die Gitarre um den Hundehals, um den «Pippo Pippo Doggy Doggy Blues» ins Mikro zu jaulen, synchronübersetzt von Valter Rado.

Zwischen Sarkasmus, Comedy, Klamauk und Musik, da irgendwo finden sich die beiden, Valter Rado und Igi Meggiorin. Ihre Einfälle können mit wenigen Elementen Großartiges bewirken. So könnte es gar nicht italienischer sein, die Geschichte um die Niederkunft Jesus und die heiligen drei Könige mit Espressokannen nachzuklappern, nie um eine Pointe verlegen.

Es ist Vorsicht geboten: Das italienische Weihnachtsfieber ist eine hochansteckende Krankheit, die unter Umständen mit Atemnot und Kieferschmerzen einher geht: Wer das Lachen nicht gewohnt ist, hat das Nachsehen.